In Schinkels Bauakademie waren mit Bauschule und Baudeputation zentrale Institutionen des Bauwesens, der Baukultur im Zentrum der Stadt verortet. Lehre, Planung und Verwaltung  kamen an einem Ort zusammen.

Gemeinsam mit den Ladengeschäften im Erdgeschoss bildete die Bauakademie ein hybrides Gebäude, welches auf funktional vielfältige Weise mit der Stadt verknüpft war.

An diese Tradition anknüpfend bilden die folgenden Nutzungen die Grundlage der Programmierung:

HOCHSCHULEN in Nachfolge der Bauakademie

BAUVERWALTUNGEN in Nachfolge der Baudeputation

Hierbei es geht darum, diese Institutionen nicht nur zu repräsentieren, sondern reale Aufgaben in das Gebäude zu verlagern. Ergänzt werden diese Institutionen durch

Flächen für die INTERAKTION zwischen Nutzern und Öffentlichkeit und

Flächen zur Vermietung an LADENGESCHÄFTE.

Die Nutzungen sind geschossweise zugeordnet. Die hinzugekommenen Interaktionsflächen bilden das inhaltliche und räumliche Bindeglied.

 

HOCHSCHULEN

Die Bauakademie war ein Ort der Ausbildung von Baumeistern. Die Trennung von Architektur und Ingenieurswesen war noch nicht vollzogen. Die TU Berlin ist direkt aus der Bauakademie hervorgegangen, aber auch die anderen Berliner Hochschulen mit Fakultäten des Bauwesens stehen in ihrer Nachfolge.

Ort der Lehre in der Bauakademie war das 1. Obergeschoss, die Beletage. Hier wurde jedoch nicht nur in Vorträgen gelehrt, sondern es wurde vor allem auch gearbeitet. Der größte Bereich des Geschosses wurde durch den Zeichensaal belegt.

An diese Tradition anknüpfend werden in der Bauakademie Arbeitsräume zur Erstellung der Masterarbeiten der Berliner Hochschulen eingerichtet. Der Austausch zwischen den unterschiedlichen Hochschulen (TU Berlin, Beuth Hochschule, UdK, Kunsthochschule Weissensee) wird gestärkt. Abschlussarbeiten werden ausgestellt und von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Sichtbar wird die Architektur von morgen.

 

BAUVERWALTUNGEN

Neben der namensgebenden Bauakademie war die Baudeputation ein weiterer Hauptnutzer. Durch deren Verortung in einem Gebäude kamen hier Ausbildung und Praxis zusammen.

Welche der heutigen öffentlichen Bauverwaltungen sich als Nachfolger betrachten können, bedarf sicher einer tiefergehenden Diskussion. Neben dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung kommt hier die Senatverwaltung für Bauen und Wohnen in Betracht.

Durch die Auslobung von Wettbewerben und anderen Vergabeverfahren werden die von den öffentlichen Institutionen gesteuerten Bauprojekte verantwortet.

Hier ist die Verortung von Baukultur von hoher Bedeutung.

Im 2. Obergeschoss, dem Ort der ehemaligen Baudeputation, sollen die Wettbewerbsabteilungen von BBR und SenStadtWohn unterbracht werden. Der Austausch zwischen diesen Institutionen und der Öffentlichkeit wird gestärkt. Die Ausstellung aktueller Wettbewerbsergebnisse an diesem zentralen Ort führt zu einer erhöhten Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit.  Sichtbar wird die Architektur von heute.

 

LÄDEN

Durch die Anordnung von Ladengeschäften im Sockelgeschoss tritt das Gebäude auf allen Seiten mit der Stadt in Verbindung. Neben dieser architektonischen und städtebaulichen Funktion ist aber auch die Kombination dieser privatwirtschaftlich, „bürgerlich“ genutzten Räume mit der öffentlichen Nutzung erstaunlich modern.

Für einen festzulegenden Anteil der  Fläche sollen hierbei Nutzer aus dem Kulturbereich, Galerien oder ähnliches bevorzugt werden.

 

INTERAKTION

Die Interaktionsflächen bilden den Kernbereich der Neuen Bauakademie.

Neben den in allen Geschossen ausgebildeten Kommunikations- und Präsentationsflächen steht das 3. Obergeschoss vollständig für die Kommunikation nach innen und außen zur Verfügung. Öffentliche Diskussionsforen, workshops für Schüler und ähnliche Veranstaltungen können hier stattfinden.

Die Fläche ist frei einteilbar, so dass Veranstaltungssaal, Ausstellungsflächen und Cafébereich ausreichend Platz finden.

Durch die Ausbildung von begehbaren Teilbereichen des Daches werden bespielbare Außenräume geschaffen und die zentrale Lage des Ortes erfahrbar gemacht. Das Untergeschoss wird im Bereich eines archäologischen Fensters zugänglich gemacht.

 

Zentrale Fragestellung bei der Wiedererrichtung der Bauakademie ist die Festlegung einer Trennlinie zwischen Rekonstruktion und Neugestaltung.

Daneben muss Raum für Neues geschaffen werden.

Wir ziehen diese Trennlinie auf zwei Ebenen:

zwischen STRUKTUR UND AUSBAU und

 zwischen RING UND KERN

 

STRUKTUR UND AUSBAU

Schinkel unternimmt bei der Bauakademie den Versuch, die Wände durch raumbreite Öffnungen aufzulösen. In Verbindung mit den raumüberspannenden flachen Tonnengewölben entsteht so ein regelmäßiges Stützenraster und damit ein offenes Raumsystem. Die Wände sind nur noch eingestellt und für die Stabilität verzichtbar. Die Trennung von Rohbau und Ausbau ist damit vollzogen.

Gleichzeitig ist eine prinzipielle Flexibilität angelegt, denn die Trennwände können problemlos entfernt werden.

Dieses Prinzip stellt den baulichen Kern der Bauakademie dar und soll wiederhergestellt werden. Die Fassade wird hierbei als Teil des Rohbaus gesehen. Der Ausbau kann dadurch frei gestaltet werden.

Die Umsetzung offener und flexibler Räume wird möglich.

 

RING UND KERN

Die zwei äußeren Gebäudeachsen bilden einen Ring, in dem die wesentlichen Funktionen der historischen Bauakademie angeordnet waren. Der Rekonstruktion des Ringes steht die Neuinterpretation des Kernbereiches gegenüber. Damit lassen sich die Anforderungen an die gebäudeübergreifende Erschließung, Kommunikation und Nutzung des Hofes neu lösen. Die Interaktionsfläche kann frei gestaltet werden. Dies schließt die Aufnahme der historischen Struktur auch im Kernbereich nicht grundsätzlich aus.

Durch die Unterscheidung zwischen Ring und Kern – zwischen Rekonstruktion und möglicher Neukonzeption – wird Raum für Neues gelassen.