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Bei der Neuerrichtung von Laborgebäuden kann davon ausgegangen werden, dass die Grundsätze des nachhaltigen Bauens in der Planung berücksichtigt werden. Das gleiche gilt für Grundsanierungen, bei denen Technik und Ausbau vollständig erneuert werden. Was ist jedoch mit dem überwiegenden Anteil der Bestandsgebäude, deren baulicher Zustand keine Grundsanierung fordert? Hier gibt es ein Potential an energetischen Einsparmöglichkeiten, das genutzt werden sollte.

Die Studie zur nachhaltigen Sanierung des Max-Delbrück-Hauses geht dieser Frage am Beispiel des grössten Laborgebäudes – und damit auch des grössten Verbrauchers – des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin nach.

Zum einen wird die Gebäudestruktur im Hinblick auf ihre Zukunftsfähigkeit untersucht, zum anderen das Gebäude systematisch hinsichtlich möglicher Energieeinsparpotentiale abgeklopft.

Im Ergebnis wird empfohlen, die energetische Sanierung mit strukturellen baulichen Maßnahmen zu verbinden und so das Gebäude nachhaltig zu verbessern. Der erarbeitete Maßnahmenkatalog unterscheidet zwischen kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen. Die zur kurzfristigen Umsetzung entwickelten Vorschläge amortisieren sich hierbei innerhalb eines erstaunlich kurzen Zeitraumes. Die baulichen Maßnahmen können über die erzielten Energieeinsparungen refinanziert werden..

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Max-Delbrück-Haus

Anhand welcher Kriterien kann die funktionale Qualität eines Laborgebäudes bewertet werden?

Als Ansatz wurde der Vergleich mit Referenzgebäuden  aus dem gleichen Forschungsumfeld gewählt. Betrachtet werden neben den allgemeinen Gebäudekennwerten die Verhältnisse Labor- und Büroflächen, die Größe der Kommunikationsflächen und die internen Wegebeziehungen.

 
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Timoféef-Reesovsky-Haus
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Experimental Research Center

Das Ergebnis zeigt, dass die Unterschiede zwischen den Vergleichsgebäuden geringer sind als zunächst erwartet. Die bauliche Struktur und die Flächenverteilung des Max-Delbrück-Hauses stehen hinter aktuellen Gebäuden nicht zurück. Defizite bestehen jedoch in Bezug auf Kommunikationszonen, das Angebot an modernen Büro- und Laborstrukturen und die atmosphärische Qualität.

Im Rahmen der Studie werden alle Anlagengruppen und die thermische Hülle systematisch auf Optimierungsmöglichkeiten hin untersucht. Um Optimierungsvorschläge bewerten und vergleichen zu können, wird zunächst die Energiebilanz des heutigen Gebäudebestandes aufgestellt. Dabei werden ein Primärenergiebedarf von 900 kWh/m2a und ein Endenergiebedarf von 675 kWh/ m2a ermittelt. Dies entspricht pro Quadratmeter Nutzfläche in etwa dem 7-fachen Bedarf eines Einfamilienhauses nach der geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV).

Neben den absoluten Werten des Energiebedarfs ist vor allem der Anteil des Energieverbrauchs der unterschiedlichen Anlagengruppen interessant. Hier wird schnell ersichtlich, in welchen Bereichen die größten Einsparmöglichkeiten liegen.

Es werden Optimierungsmöglichkeiten lokalisiert die ingesamt ein Einsparungspotential von 4.300.000 kWh/ a aufweisen. Dies entspricht einer Reduzierung des Energieverbrauches um ca. 23 %.

570_Web_Diagramme_MDH Studie

Nachhaltige energetische Optimierung von Bestandslaboren

Labore nachhaltig machen –
Chancen und Grenzen der Optimierung von Bestandslaboren

Ernst & Sohn Spezial Forschungs- und Laborbauten April 2013

Vortrag Laborrunde 2013